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Gymnasiasten wollen praxisorientiert studieren


Die angehenden Studenten erklären ihr Modell dem Kursleiter. Thema: "Mein Traumhaus"

Um das Fachhochschul-Studium auch Maturandinnen und Maturanden zu ermöglichen, bietet die Berner Fachhochschule seit drei Jahren einen Vorkurs mit anschliessendem Praktikum – die Passerelle – an. Am 8. August 2011 haben 18 angehende Studentinnen und Studenten den dreimonatigen Vorkurs in den Studienrichtungen Architektur, Holz und Bau in Burgdorf begonnen.

Der Weg an die Fachhochschule ist für Gymnasiastinnen und Gymnasiasten steinig. Für einen Studienstart an der Berner Fachhochschule wird Praxiserfahrung vorausgesetzt. Immer mehr Gymnasiastinnen und Gymnasiasten sehen das Studium an der Fachhochschule als optimalen Weg, in ein praxisorientiertes, spannendes Berufsfeld einzusteigen. Ausserdem sind vor allem Ingenieure gesuchte Fachkräfte auf dem Stellenmarkt. Aber: Will ein Absolvent oder eine Absolventin mit gymnasialer Maturitätsausbildung in der Schweiz ein Fachhochschul-Studium beginnen, ist dies ein beschwerlicher Weg. Die jungen Leute müssen sich zuerst in Eigenregie einen Praktikumsplatz suchen. In den meisten Fällen ist dies schwierig, da ihnen die nötige Berufserfahrung fehlt. Genau hier setzt die Passerelle ein: Der dreimonatige Vorkurs befähigt die Maturandinnen und Maturanden, in einem Betrieb als vollwertige Arbeitskraft mitzuarbeiten. Dadurch profitieren die Praktikantinnen und die Arbeitgeber. Eine Win-Win-Situation.

 

Derzeit haben noch nicht alle 18 Gymnasiasten des Vorkurses einen Praktikumsplatz. Die angehenden Studierenden erhalten aber die Möglichkeit, im Rahmen der Passerelle jeweils einen Tag für die Suche zu nutzen. Ein Modul beschäftigt sich auch mit den Themen Arbeits- und Studientechnik sowie Bewerbungsmethoden. Die Berner Fachhochschule unterstützt wo immer möglich bei der Praktikumssuche. Clevere Unternehmen merken nun, dass es sich lohnt beim Projekt Passerelle mitzumachen. Seit Beginn der Passerelle vor drei Jahren konnten jeweils alle Teilnehmenden erfolgreich in einem privatwirtschaftlichen Betrieb untergebracht werden.

 

Prinzipiell spricht die Passerelle Gymnasiastinnen und Gymnasiasten an, die sich für die Baubranche interessieren und ein technisches oder gestalterisches Flair mitbringen. Der Fokus des Vorkurses liegt vor allem darin, den Teilnehmenden ein grundlegendes Fachwissen zu vermitteln. Die zukünftigen Architektinnen, Bau- und Holzingenieure lernen Fachausdrücke und Terminologien, den Umgang mit den in der Schweiz gängigen CAD-Programmen sowie die Prozesse und Abläufe im Bauwesen. «Uns ist es wichtig, dass die Vorkurs-Teilnehmer Pläne lesen, interpretieren und erstellen können», so Jochen Christner, Leiter der Passerelle im Departement Architektur, Holz und Bau in Burgdorf. «Ausserdem braucht es Zeit, ein Gefühl für die richtigen Proportionen aufzubauen. Durch die verschiedenen Theorie- und Praxis-Module während den drei Monaten verschaffen wir den Passerelle-Teilnehmenden einen grossen Vorsprung auf alle anderen Quereinsteiger.» Jochen Christner erklärt, dass im Vorkurs während drei Monaten in kompakter Form das Wissen der Hochbauzeichner-Lehre vermittelt wird. Die Passerelle-Teilnehmenden haben einen Wissens- und Kompetenzvorsprung gegenüber den Mitbewerbern mit gymnasialem Hintergrund, die sich in Eigenregie ein Praktikum suchen und keinen Vorkurs besuchen.

Die Berner Fachhochschule Architektur, Holz und Bau legt grossen Wert auf einen hochwertigen Vorkurs. Die Teilnehmenden profitieren von einer CAD-Schulung und erhalten so einen bedeutenden Wettbewerbsvorteil gegenüber der Konkurrenz. Dies ist im Hinblick auf ihren zukünftigen Arbeitseinsatz im Praktikum wichtig. Die Praktikantinnen und Praktikanten sollen raschmöglichst auch der Wirtschaft einen Mehrwert generieren.

Ein Highlight während des Vorkurses sind die Praxis- und Projektarbeiten. Jochen Christner: «In diesem Jahr können wir Baustellenbesichtigungen mit der Firma Frutiger AG, eine Praxiswoche beim Baumeisterverband, den selbstständigen Modellbau sowie die Projektarbeit ‚Mein Traumhaus‘ anbieten.»

 

Jochen Christner hat Spass an der Arbeit mit den Passerelle-Teilnehmenden. Ein augenfälliger Unterschied zu den regulären Studierenden sei, dass die Maturandinnen und Maturanden noch etwas schüchtern und zurückhaltend sind. «Das legt sich aber jeweils nach ein paar Tagen, wenn man sich kennen gelernt hat», so Christner. Die 18 Jugendlichen kommen vorwiegend aus den Kantonen Bern und Wallis. Das familiäre Studienumfeld an der Berner Fachhochschule ist für die Hochschul-Neulinge ein optimaler Einstieg ins Studentenleben. Dass das Prinzip funktioniert, hat sich unterdessen bestätigt: in diesem Jahr beginnen zahlreiche ehemalige Passerelle-Teilnehmer das Studium an der Berner Fachhochschule Architektur, Holz und Bau.

Mit diesem Hintergrund freut sich die Berner Fachhochschule, auch in Zukunft das Passerellen-Modell anbieten zu können.

 

Download Medienmitteilung (PDF)

Download Medienmitteilung (Word)

www.bfh.ch/passerelle

 

MEDIENECHO

Bieler Tagblatt online

Berner Zeitung

 

Gespannt nehmen die Passerelle-Teilnehmerinnen neues Wissen zum Thema "Modellbau" auf.
Die Schülerinnen und Schüler bauen ihr Zimmer als Modell.
Ein Gemeinschaftswerk: Situationsmodell Gsteig Burgdorf, Massstab 1:500

 

Im Gespräch: Susanne Iseli und Arion Katana, Passerelle-Teilnehmende.

 

BFH-AHB: Wie habt Ihr vom Angebot der Passerelle erfahren?
Susanne: Für mich war schon lange klar, dass ich an der Fachhochschule studieren möchte. An der Infoveranstaltung der Berner Fachhochschule wurde ich auf das Passerellen-Angebot aufmerksam gemacht.
Arion: Eine Freundin hat mir die Passerelle empfohlen. Sie war im letzten Jahr hier.

 

BFH-AHB: Wieso hast Du den Weg der Passerelle gewählt?
Arion: Ich war schon zwei Jahre an der Universität. Das Studium dort hat mir gar nicht entsprochen. So habe ich gelernt, dass ich eher an die Fachhochschule passe. Und Architektur hat mich immer schon interessiert! Die Passerelle ermöglicht mir nun diesen Weg.

 

BFH-AHB: Wie fühlst Du Dich an der Berner Fachhochschule Architektur, Holz und Bau?
Susanne: Es ist angenehm hier! Es hat Sofas, Mikrowellen-Geräte und alle sind sehr nett und hilfsbereit.
Arion: Im Vergleich mit der Uni ist es an der Berner Fachhochschule sehr familiär. Man kennt sich, auch zu den Dozenten hat man direkten Kontakt. Das macht die Atmosphäre sehr locker.

 

BFH-AHB: Wo liegen Eurer Meinung nach die Vor- und Nachteile der Passerelle?
Arion: Auf den ersten Blick war es für mich ein Nachteil, ein ganzes Jahr zu verlieren. Meine bisherigen Studienversuche haben mich aber bereits zwei Jahre gekostet. Das Passerelle-Jahr ist meiner Meinung nach sehr gut investiert. Man wird nicht ins kalte Wasser geworfen, findet heraus ob der Job nach dem Studium das Richtige ist und lernt die Fachhochschule während dem Vorkurs kennen.

 

BFH-AHB: Wie tastet Ihr Euch an das Fachwissen der Architektur und des Ingenieurwesens heran?
Susanne: Wir behandeln den Stoff langsam und können viele Fragen stellen. So lernen wir die Grundlagen und die wichtigsten Programme und Methoden. Ich bin überzeugt, dass wir nach dem Passerelle-Jahr genügend gut vorbereitet sind, um mit den Berufsmaturanden mitzuhalten.